Mission Alpencross…
Von Innsbruck nach Venedig… zu Fuss… 280km Distanz mit 24’000 Höhenmetern
Das war das grosse Vorhaben in meinem ‘persönlichen Teil’. Eine Fernwanderung zu unternehmen und für viele Tage zu Fuss unterwegs zu sein, um mich Tag für Tag einem vorgenommenen Ziel zu nähern. Entweder das Mont Blanc-Massiv umrunden oder die Alpen überqueren. Ich entschied mich für das Zweite - Die Alpenüberquerung. Ein Grund war, dass ich schon einiges darüber gelesen hatte und ein weiterer, weil ich über eine Bergtour mit Bernhard Sanders zusammen im Karwendel-Gebirge, während meines Aufenthalts in Innsbruck, bereits einen kleinen Teil des Trails ‘München nach Venedig’ gelaufen bin.
Geplant habe ich diese herausfordernde Tour in kürzester Zeit und bin nach meinem Aufenthalt in Innsbruck eigentlich nur kurz nach Hause gefahren um meine Ausrüstung zu packen und gleich wieder zurück nach Innsbruck zu fahren, von wo ich den Einsteig in diese Route vorhatte. Meine erste Idee war autark mit Zelt und Kocher diese Fernwanderung von rund 280 Kilometern zu machen. Bei der weiteren Planung der Packung wurde mir dann aber bewusst, was das alles an ‘Mehr’ bedeutete an Ausrüstung. Die Packung wurde grösser und grösser und schwerer und schwerer. So entschloss ich mich das neu angeschaffte superleichte Zelt von weniger als einem Kilo Gewicht nun doch zu Hause zu lassen und mich für die Variante ‘Hüttenübernachtung’ zu entscheiden.
Vom Lager Wattens - ein Trainingscamp des Österreichischen Militärs - aus gings zuerst zur Lizumer Hütte. Dieser erste Teil war ein Spaziergang im Vergleich zu den weiteren Etappen.































































Mein Reiseprogramm
Innsbruck nach Venedig – Donnerstag, 23.6. bis Sonntag, 8.7.2022
23.6. | Donnerstag Anreise mit der Bahn nach Innsbruck und ein kurzes Stück weiter nach Wattens. Dort nehme ich ein Taxi durch das Wattental zum Lager Walchen 1410m, einem Hochlager der österreichischen Gebirgsjäger. Die Wanderung führt auf einem wunderschönen alten Pfad - dem Lizumer Zirbenweg - durch alte Baumbestände zur Lizumer Hütte auf 2019 m.ü.M.
Aufstieg 650 Höhenmeter
Übernachtung in der Lizumerhütte
24.6. | Freitag Heute komme ich den Tuxer Alpen näher, dem ersten grösseren Hindernis. Der Weg führt in einem sehr abwechslungsreichen auf und ab zuerst über den Pluderlingssattel (2743m), dann am Junssee vorbei und weiter über den Gschützspitzsattel (2657m). Nach einem steilen Abstieg ich um die Mittagszeit das Weitental, wo ich an einem schönen Wasserfall eine Pause einlege. Erschöpft vom steilen Abstieg gönne ich mir eine halbe Stunde und geniesse die Ruhe hier ganz hinten im Tal. In etwas mehr als einer Stunde wandere ich nach Hintertux, weil die Tuxerjochhütte noch geschlossen ist . Dies gibt mir einen Umweg von circa 3 Stunden. Ich übernachte im Sporthotel Kirchler und habe Zeit, mich für die lange Etappe am nächsten Tag etwas zu erholen.
Aufstieg 1200 Höhenmeter, Abstieg 900 Höhenmeter
25.6. | Samstag Nach einer Abkürzung mit der Bergbahn gelange ich auf die Sommerbergalm und anschliessend gleich weiter zum Tuxer Fernhaus. Von dort gealnge ich über unwegsames Geröll nach einem Aufstieg von etwas 3 Stunden zum First und überschreite mit der Friesenbergscharte (2910m) den Alpenhauptkamm. Die Scharte ist südseitig mit Drahtseilen gesichert und bietet einen ersten Test in Bezug auf meine Schwindelfreiheit. Sie ist die höchste Passage meines Trekkings. Über Schnee und Geröll quere ich die enge Felsscharte und steige vorbei am Friesenberghaus zur Olpererhütte ab. Auch wenn der Weg noch weit ist, mache ich hier eine Pause. Nach einer Rast gelange ich auf dem neu errichteten Neumarkter Höhenweg dem Pfitscher Joch (2251m): ohne grosse Höhenverluste und mit einer herrlichen Aussicht in die Zillertaler Alpen. Am späten Nachmittag erreiche ich die Unterkunft - das Pfitscher-Joch-Haus (2276m). Das Tor zum Süden hat sich geöffnet. Die italienische Grenze überschritten. Ein unglaubliches Gefühl, das mich noch stärkt, damit ich das Tagesziel erreiche.
Aufstieg 900 Höhenmeter, Abstieg 1250 Höhenmeter
26.6. | Sonntag Ein selten begangener alter Schmugglerpfad führt mich in gut 4 Stunden zum Gliederschartl 2644m. Hier eröffnet sich ein toller Rundblick zu den vergletscherten Gipfeln der Hochfeilergruppe. Vorbei am Grindlberger See gelange ich zur Oberen Engberg Alm und durch die Duner Klamm ins Bergdorf Pfunders. Hier übernachte ich im Gasthof Brugger.
Aufstieg 1000 Höhenmeter, Abstieg 2000 Höhenmeter
27.6. | Montag Heute überquere ich das Pustertal und erreiche die nördlichen Dolomiten. Mit dem Linienbus fahre ich nach Niedervintl. Hier fülle ich meine Vorräte nach, bevor ich durch den Rodenecker Wald zur Ronerhütte aufsteige. Gemütlich wandere ich weiter über die Alpweiden der Lüsener Alm zur wunderschön gelegenen Kreuzwiesenalm (1925m).
Aufstieg 1300 Höhenmeter, Abstieg 150 Höhenmeter
28.6. | Dienstag Immer weiter dringe ich nach Süden in die bizarre Felslandschaft der Dolomiten ein. In einem reizvollen Auf und Ab wandere ich über Alpwiesen vorbei am Glittner See zum Lüsener Joch, einem alten Übergang von Lüsen ins ladinische Untermoi. Weiter gehe ich zur Maurerberghütte und dem Würzjoch. Vor mir liegt nun der imposante Peitlerkofel. Über das langgezogene und sehr steile Felsental gelange ich über die Peitlerscharte 2357 m mit ihrem herrlichen Ausblick zur Schlüterhütte 2297m.
Aufstieg 1270 Höhenmeter, Abstieg 900 Höhenmeter
29.6. | Mittwoch Eine der scheinbar schönsten Etappen führt mich heute über neun Joche und Scharten zum Grödner Joch im ladinischen Grödnertal. Leider ist das Wetter alles andere als geeignet zum Bergwandern und so bleibt mir vieles verborgen im Nebel, was sich im Tourenführer so fantastisch liest. Der sehr gut angelegte Höhenweg führt inmitten der wildromantischen Dolomitenlandschaft über das Kreuzkofeljoch 2334m, das Bronsoijoch 2421m, das Kreuzjoch 2293m, die Roascharte 2616m, die Forcella Nivea, das Ciampaijoch 2366m, das Crespainajoch 2528m und über das Cirjoch 2469m zum Grödnerjoch 2137m. Ich übernachte im schönen Berghaus Frara gleich neben der Passstrasse des Grödnerjoch.
Aufstieg 1100 Höhenmeter, Abstieg 1300 Höhenmeter
30.6. | Donnerstag Heute geht es so richtig alpin zur Sache. Auf einem gut mit Drahtseilen gesicherten Weg erklimme ich durch das schmale Val Setus die Pisciaduhütte, die am Rand des Hochplateaus des Sellastockes liegt. Weiter geht es in dieser bizarren Landschaft, einem urzeitlichen Korallenatoll, durch kleine Schluchten und über Kämme zur Boéhütte auf 2871m. Dort lasse ich es mir nicht nehmen, mit dem Piz Boe 3152 m einen der schönsten Aussichtspunkte der Dolomiten zu ersteigen. Danach steige ich zum Sass Pordoi ab und erlaube mir die Schwebebahn zum Pordoipass hinunter zu nehmen. Die Bergstation erinnert mich an einen James Bond Film. Zum Rifugio Viel dal Pan wandere ich weiter der Passstrasse entlang und erreiche in einer etwa einer Stunde das Rifugio Viel dal Pan und geniesse dort noch die letzten Sonnstrahlen mit dem fantastischen Ausblick zur Marmolada.
Aufstieg 1650 Höhenmeter, Abstieg 700 Höhenmeter
1.7. | Freitag Auf der Landkarte lege ich heute eine sehr grosse Distanz zurück. Mit Hilfe von Seilbahnen und Bussen überwinde ich die grösste Distanz und konzentriere mich auf die Highlights am Weg. Auf dem bekannten Bindelweg erreiche ich in gut 1.5 Stunden die Staumauer des Fedaiasees. Mit dem Bus fahre ich durch die tiefe Sottogudaschlucht nach Alleghe. Dort bringt mich die Schwebebahn auf den Col di Baldi (1920m). Nun erhebt sich vor mir der Monte Pelmo. Über die Forcella d’Alleghe erreiche ich zuerst das Rifugio Coldai (2135m), wo ich mir eine kurze Pause bei einem alkoholfreien Bier erlaube. Weiter geht es entlang der gewaltigsten aller Dolomitenwände, der Civetta, an der Tissihütte vorbei. Ich folge dem Taleinschnitt am Fusse der Civetta und wandere durch Lärchenwälder, vorbei an Quellwassern, zum Rifugio Vazzoler, wo ich einen Platz im überfüllten Massenlager in der Scheune erhalte. Das Restaurant ist ebenso durch eine unangemeldete Gruppe völlig überfüllt.
Aufstieg 800 Höhenmeter, Abstieg 800 Höhenmeter
2.7. | Samstag Mittlerweile verfüge ich über eine recht gute Kondition. So kann mich die heutige Etappe nicht mehr einschüchtern. Ich starte sehr früh, da die heutige Route sicher 9 Stunden Gehzeit werden wird. Ein schöner Höhenweg führt mich über die Forc. del Camp und bald erreiche ich das Rifugio Carestiato. Hier mache ich eine Pause und treffe die zwei Israelis wieder, die ich am Tisch im Rifugio Vazzoler kennengelernt habe. Über den Passo Duran (1605m) geht es weiter über die Malga Moschesin zum Agriturismo Malga Pramper, das mitten im Nationalpark der Belluneser Dolomiten liegt. Der besondere Reiz der südlichen Dolomiten ist der Kontrast zwischen den schroffen, weissen Felsformationen und dem Blick in die steilen, grünen Täler. Die Malga Pramper ist ein magischer Ort. Ich sitze mit der Bauernfamilie am gleichen Tisch und esse aus den gleichen Schüsseln. Lidia Tibolla erzählt mir, wie sie in ihrer Jugend in der Textilfabrik Heberlein im Toggenburg gearbeitet hat. Ein wundersames Zusammentreffen.
Aufstieg 1350 Höhenmeter, Abstieg 1450 Höhenmeter
3.7. | Sonntag Über die Portela del Piazedel und die Forcella de Zita Sud 2402m steige ich heute zum Rifugio Pian de Fontana 1632m ab. Von hier aus führt mich der Weg hinunter in das Val Ross zur Pont de la Costa Granda. Mit dem Taxi, welches mir Lidia Tibolla bestellt hat, reise ich nach Belluno, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Belluno gilt als eine der schönsten Städte Italiens und ist 1999 zur Alpenstadt des Jahres gekürt worden. Hier bleibt mir ein wenig Zeit, die schöne Altstadt zu besichtigen und mir eine kurze Erholung zu gönnen. Im Albergo Delle Alpi habe ich ein wunderbares Zimmer mit eigenem Badezimmer gebucht. Ein einzigartiger Luxus nach den 11 Etappen in teils sehr kargen und einfachen Hütten.
Aufstieg 850 Höhenmeter, Abstieg 1600 Höhenmeter
4.7. / Montag Mit dem Taxi fahre ich von Belluno bis zum Parkplatz des Skigebietes am Nevegal 1039m und wandere in gut 3 Stunden zum Col Visentin, dem höchsten Punkt des Nevegal. Mein Blick schweift nochmals zurück in die Dolomiten, vor mir sehe ich in der Ferne das Meer. Ich wandere über den Kamm bis zum Rifugio Pian delle Femene. Jetzt befinde ich mich mitten im Anbaugebiet des Prosecco. Meine Unterkunft ist heute das ‘Albergo ai pini’ in Tarzo. Es bietet echtes italienisches Ambiente und ein vorzügliches Essen. Für mich ist es der ideale Ort, um die vergangenen 12 Tage Revue passieren zu lassen.
Aufstieg 900 Höhenmeter, Abstieg 800 Höhenmeter
5.7. / Dienstag Von Tarzo nehme ich den Bus nach Conegliano. Dort steige ich in den Zug nach Venedig. Die Alpen liegen hinter mir, vor mir liegt das Meer…
5.7. / 6.7. / 7.7. / 8.7. auf der Yacht Fortebraccio auf Giudecca, Venezia: Besuch der Biennale di Venzia.
8.7. / Rückreise nach St.Gallen mit der Bahn
