
Auch wenn vieles anders gekommen ist – eine ausserordentliche und eindrückliche Zeit liegt hinter mir.
Ein halbes Jahr Intensivweiterbildung liegt hinter mir. Für einige Monate konnte ich all meinen Aufgaben den Rücken zuwenden und durfte meine Rolle als Lehrperson und Leiter mit derjenigen des Lernenden und Entdeckenden tauschen. Eine Möglichkeit von unschätzbarem Wert, für die ich sehr dankbar bin.
Am 21. September 2020 wurde mein Antrag für eine Intensivweiterbildung von der Berufsfachschulkommission genehmigt. Ich freute mich sehr darüber, dass ich damit meine Planung zu den drei inhaltlichen Vorgaben der IWB am GBS – im fachdidaktischen, fachwissenschaftlichen und persönlichen Teil – nun intensivieren und umsetzen konnte. Leider zeigte sich aber bald, dass durch die anhaltende Pandemie viele Projekte gar nicht umsetzbar waren. Auch die Verschiebung um ein halbes Jahr brachte leider nicht den erhofften Erfolg. So war eine angepasste, fast komplett neue Planung nötig, um die wichtigsten vorgenommenen Zielsetzungen in den drei Teilthemen realisieren zu können.
Eine Intensivweiterbildung in diesem Umfang eröffnet einem den Spielraum, während einer längeren Zeit Inhalte zu verfolgen, welche im schulischen Alltag keinen Platz haben. Für mich gibt es nach dieser langen Zeit als Lehrperson und Leiter der Fachklasse Grafik an der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen sehr viele solcher Themen. Während sich die einen um technische Aktualisierungen und Methodik drehen, sind andere im Bereich der Inspiration, Motivation und Persönlichkeitsentwicklung zu finden. Es tat sich also ein grosses Feld an interessanten Inhalten auf.
Für meinen fachdidaktischen Teil wollte ich auf jeden Fall die englische Sprache als zentralen Teil beibehalten. Als Ersatz für die ursprüngliche Absicht, meine Englischkenntnisse beim Unterrichten an einer Berufsschule in Neuseeland zu verbessern, suchte ich nach vergleichbaren Möglichkeiten. In der kurzen Zeit, die mir bis zum Start noch zur Verfügung stand, war leider nichts Vergleichbares zu organisieren. So suchte ich als Alternative eine Sprachschule in einem Land in das die Einreise zu diesem Zeitpunkt erlaubt war. Die ‚Good Hope Studies‘ in Kapstadt bot ein Intensivenglisch-Programm an, welches mir die ‚Pro Linguis‘ empfehlen konnte. An einen, mir völlig unbekannten Ort, in einem neuen Kontinent, zu reisen und dies in der unsicheren Pandemiesituation, war eine grosse Herausforderung für mich. Meine gesamte Zeit in Kapstadt war von der Maskenpflicht begleitet, am Anfang sogar unter polizeilicher Kontrolle im öffentlichen Raum. Noch mehr zu schaffen machte mir allerdings in ein Land zu fahren, welches zu den ärmsten der Welt gehört und in dem die Kriminalitätsrate hoch oben auf der Liste steht.
Auch die Planung der nachfolgenden Projekte verlangte mir grosse Flexibilität ab. Meine Vorstellung zur Umsetzung für den fachwissenschaftlichen und den persönlichen Teil waren noch lose Puzzleteile, welche ich, weiterhin unter Berücksichtigung der Corona-Entwicklung, mehrmals anpassen musste.
Es kamen schlussendlich diese weiteren Vorhaben zustande: Besuch des Hosa Hope Centers und der JGT-Technical School am West Kap in Südafrika, ein Monat Betriebspraktikum bei der Agentur Q-Kreativgesellschaft in Wiesbaden, zwei Wochen Betriebspraktikum bei der Buchbinderei Sanders in Innsbruck, der Besuch der 59.Biennale in Venedig, die Reise von Kapstadt nach Port Elizabeth, ein Segelabenteuer im ionischen Meer und die Überquerung der Alpen von Innsbruck nach Venedig.
Im Nachhinein lassen sich der fachdidaktische, der fachwissenschaftliche und der persönliche Teil nicht voneinander trennen und in die vorgedachten Drittel aufteilen. Das Wichtigste in dieser Zeit waren für mich doch vorallem Raum und Gelegenheit zu haben für neue berufliche und persönliche Impulse, um alte Kontakte aufzufrischen und neue für die Zukunft zu knüpfen.
Mit der vorliegenden Webseite will ich die einzelnen Thementeile mit Zusammenfassungen und Bildern dokumentieren. Ergänzt werden diese jeweils durch meine vorgängigen Zielsetzungen, gezogene Fazite und fachdidaktische Erkenntnisse, welche ich daraus gewonnen habe.
Mit etwas Abstand blicke ich heute auf eine einzigartige, sehr eindrückliche Zeit zurück. Diese Zeit der Entschleunigung und der Selbstbestimmung war für mich äusserst wertvoll und wird sich längerfristig nachhaltig auf mein Leben und meinen Schulalltag auswirken. Nach mehr als zwanzig Jahren als Lehr- und Leitungsperson der Fachklasse Grafik an der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen kam für mich diese Intensivweiterbildung zum richtigen Zeitpunkt.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für dieses Geschenk des Kantons und das entgegengebrachte Vertrauen der Schulleitung bedanken. Mein besonderer Dank geht auch an meine Kollegin Anita Meier, die während meiner Abwesenheit die Stellvertretung mit grossem Engagement übernommen hat und nicht zu letzt an meine Partnerin Anna und meine Tochter Klara, die mir diesen Freiraum überhaupt ermöglicht haben.
Andreas Tschachtli