Der Küste entlang…
Eine Reise machen – ganz alleine
Nach meiner Entscheidung nach Südafrika zu gehen und dort den Teil ‘Englisch’ zu realisieren, tat ich mir etwas schwer bei dem Gedanken am Ende meines Aufenthalts alleine eine Reise zu unternehmen. Noch dazu in einem Land, von dem ich so gar keine Vorstellung hatte. Südafrika ist ein riesengrosses Land und alleine schon zu entscheiden, in welchem Teil eine Reise stattfinden könnte, war für mich sehr schwierig. Ich habe mir ein Zeitfenster von zwei Wochen im Anschluss dafür reserviert. Bei der Planung musste ich schnell feststellen, dass dies nur eine kleine Reise werden kann. Ein Grund dafür waren auch Reiseberichte, die ich im Vorfeld über Südafrika gelesen hatte. Sie berichteten auch davon, was alles zu beachten ist in einem Land mit einer der höchsten Kriminalitätsraten dieser Erde. Ich hatte grossen Respekt davor alleine unterwegs zu sein und durch Gebiete zu reisen, in denen über weite Strecken keine Siedlungen mehr sind und ich darum stark auf mein Fahrzeug angewiesen bin. Zu meinem Glück konnte ich bei der weiteren Planung auf die Erfahrung einer Schweizerin zählen, die in Cape Town ein Reiseunternehmen führt. Die gewählte Route führte mich an die Südküste - wo ich einen Teil der legendären ‘Gardenroute’ erleben durfte.
Gleich nach meinem letzten Tag an der Schule ging es los! Früh am Morgen holte ich mein Mietauto ab. Nach Abgabe meiner liebgewonnenen dritten Unterkunft an ‘De Waterkant’ gings Richtung Nordosten aus der Stadt zum Flughafen, wo ich im Hotel, in dem ich vor meiner Heimreise übernachten werde, das überzählige Gepäck deponierte, um nur das dabei zu haben, was ich auch wirklich brauche auf der Reise. Meine Bergausrüstung und mein Trainingszeug war auf jeden Fall mit dabei, um auf alles vorbereitet zu sein, was sich in diesem Bereich bietet.
Es war ein seltsames Gefühl alleine aufzubrechen auf eine Reise, von der ich nur einen groben Reiseplan hatte. Das Einzige was ich wusste war wo ich am Abend übernachten werde. Das machte es irgendwie zu einem Abenteuer ohne genaue Pläne durch diese unbekannten Landschaften zu fahren und erst vor Ort zu erfahren, was es in dieser Gegend zu entdecken gab. Diese Art zu reisen war für mich neu und ein kleines Wagnis. Ich hatte wenige Fixpunkte, an denen ich sicher vorbeikommen würde. Die Tagesreisen von 200 bis 300 km waren mehrheitlich einfach ‘unterwegs zu sein’. Die Unterkünfte, die ich von Gisela Piercy, der Reisespezialistin aus Cape Town, empfohlen bekommen hatte, waren allesamt unglaubliche Orte, die einen wesentliche Teil meiner Erinnerung ausmachen.

Ich war zehn Tage unterwegs und durfte an fünf Destinationen Halt machen, an denen ich jeweils zwei Nächte geblieben bin. Der Tag dazwischen war für die Erkundung der Gegend gedacht. Im Gespräch mit den Gastgebern und Einheimischen am Abendessen oder im Coffeeshop war jeweils kurzentschlossen ein Programm zusammengestellt. Vorallem war ich interessiert möglichst viel zu Fuss zu erkunden. So sind einige Wanderungen und Bergtouren zusammengekommen, die mir die Schönheit dieses, so kontrastreichen Landes, besonders eindrücklich gezeigt haben.
Ein paar Highlights der Reise möchte ich herausheben:
Die Bergtour zum ‘Bloupont Summit’ in der Gegend von Oudtshoorn. Erst am Mittag bin ich in Montagu gestartet, um die Höhendifferenz von fast tausend Höhenmetern in einer Landschaft, die mich an die Mondoberfläche erinnert hat, zu schaffen. Auf der gesamten siebenstündigen Tour ist mir kein Mensch begegnet. Im tropischen Wald beim Einstieg in den Canyon waren Baboons (Paviane) die einzigen Lebewesen, die mir in ihrem natürlich ‘Habitat’ begegnet sind. Eine fast gespenstige Stimmung begleitete mich auf weiten Teilen dieser Tour. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Gefühl auf dem Gipfel zu stehen und den Rundblick mit einer weiten Sicht ins Umland.
Ein besonderer Nervenkitzel war die längste ZipLine der Welt, die über eine Meeresbucht führt. Der Absprung ist auf über hundert Metern über dem Meeresspiegel. Es braucht Mut hier einfach loszulassen und sich über die Klippen in die freie Meeresbucht zu stürzen. Mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern raste ich über die Strecke in gut 10 Sekunden. Unter mir die Meeresbrandung. Ein kurzes Vergnügen für das, was ich an Zeit für die Vorbereitung und den Transport an den Startpunkt aufwenden musste. Aber der Aufwand hat sich gelohnt und es wurde ein unvergessliches Erlebnis. ‘Gschpunnä’! (https://www.youtube.com/watch?v=IQdy95ieCes)
Die Kanufahrt in den ‘Mouth of Storms River’ im Tsitsikamma-Nationalpark. Eine Schlucht wie im Bilderbuch - hundert Meter hohe senkrechte Felswände und unten ein schmaler, sehr tiefer, Fluss mit schwarzem Wasser. Hier kann man mit einem Führer in einer Kleingruppe mit dem Kanu von der Einmündung des ‘Storms River’ in der Meeresbrandung aus in die Schlucht einfahren bis zum Punkt, wo riesige Felsbrocken im Wasser und der niedrige Wasserstand die Weiterfahrt beenden. Das Wasser war so kalt, dass wir Wetsuits tragen mussten. Das Wetter war stürmisch und die Meeresbrandung ohrenbetäubend laut. Eine unwirkliche Stimmung an einem Ort, der scheinbar zu den schönsten Küstenabschnitten in ganz Südafrika gehört (https://www.untouchedadventures.com).
Ein unvergessliches Erlebnis war auch eine Tageswanderung am östlichsten Punkt meiner Reise, an der Küste bei Kenton-on-Sea. Der Ort selbst ist schon ein unvergessliches Erlebnis. Ein Ort an dem nichts ist! Keine spektakulären Sehenwürdigekeiten. Als ich meine Gastgeberin gefragt habe, was es hier zu sehen gibt, meinte sie nur kurz: die Natur. Der kleine Ort mit lediglich zwei Restaurants liegt auf einem Flussdelta und wird zum Ozean hin von einer Düne geschützt. Links und Rechts ist kilometerlang nichts mehr. Ich machte mich auf eine Küstenwanderung vom zehn Kilometer westlich entfernten Richmond zum Diaz-Memorial. So etwas habe ich bei meinen vielen bisherigen Küstenwanderungen noch nie angetroffen. Auf der einen Seite ein flachabfallender Strand und auf der andern Seite eine unendlich scheinende Sandwüste. Nach kurzer Zeit dem Wasser entlang tritt man in eine unwirkliche Welt, die einem Raum und Zeit vergessen lässt. Nach fünf Kilometern war nichts mehr zu sehen, was auf Menschen deutete. Keine Schiffe auf dem Wasser, nichts mehr am Horizont zu sehen, rundherum. Hier wurde mir klar was ‘Unendlichkeit’ sein könnte.
Es gäbe noch sehr viele besondere Momente, die erwähnenswert wären. Etwas ganz Besonders war sicher auch der Besuch im Amakahla-Reserve, welchen ich nach der folgenden Bildstrecke mit einigen Impressionen beschreibe.

































































Das Amakahla Reserve
Den Abschluss meiner Reise machte ein Besuch in einem ‘Game Reserve’. Ich war dieser Form des Tourismus gegenüber sehr skeptisch. Besonders die Erfahrungen, die ich in den Town Ships gemacht habe und mein Kenntnisstand über die Geschichte Südafrikas liessen mich dieser Attraktion gegenüber vorsichtig sein. Aber alle, die diesen Kontinent bereist hatten, schwärmten von ihrem Besuch in einem ‘Game Reserve’ und der Safari. Ich entscheid mich schlussendlich trotzallem für drei Nächste im ‘Amakahla Game Reserve’. Ein ‘Game Reserve’ in der Grösse des Kantons Appenzell mit drei Lodges für Gäste darin. Das Gebiet des ‘Amakahla’ liegt etwa eineinhalb Autostunden nördlich zwischen Kenton-on-Sea und Port Elizabeth.
Es herrscht eine unbeschreibliche Atmosphäre an diesem Ort. Erinnerungen an legendäre Filme wie ‘Outside of Africa’ kamen mir in den Sinn, als ich die Lodge betrat. Die Zeltunterkünfte der Gäste reihten sich zu beiden Seiten an das Hauptgebäude. Ich hatte mein eigenes Zelt - mit Badezimmer. Ich fühle mich wirklich mehr in einem Filmset, als in der Realität. Die Tagesbeschäftigung sind die ‘Pirschfahrten’, bei der sich die Gruppe auf grossen offenen Geländefahrzeugen durch das unwegsame Gelände fahren lässt. Früh am Morgen, noch im Dunkeln ging es los und im frühen Abend startete die zweite Beobachtungsfahrt, die bis in die Nacht dauerte. Die Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, ist ein unglaubliches Gefühl. Zebra-, Elefanten- und Nashornherden in der weiten Landschaft, Löwen im Unterholz zu beobachten oder die jungen Geparden, die so nah ans offene Fahrzeug kommen, dass mir fast etwas Angst wurde. Unfassbar eindrücklich!
Diese kurze Zeit war der Höhepunkt meiner Reise. Ein unbeschreibliches und sehr intensives Erlebnis, auch wenn das komische Gefühl diesem speziellen Vergnügen gegenüber bleibt.













Fazit
Diese Reise war für mich etwas Aussergewöhnliches! Ein grosser Luxus, den ich mir früher nie erlaubt hätte und ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass ich so etwas erleben darf, während meine Familie zu Hause geblieben sind und meine Teamkollegen an der Schule an der Arbeit sind.
Dieses Gefühl musste ich aber schnell vergessen, da ich nun in dieser privilegierten Situation war und es einfach erleben und geniessen durfte. Der Gedanke etwas Besonderes erleben zu dürfen und dem auch mit Dankbarkeit zu begegnen, begleitete mich doch immer, wenn es besonders schön war.
Seit langem gehegte Träume Wirklichkeit werden zu lassen, war eine meiner Zielsetzungen der IWB. Mit dieser Reise konnte ich so einen Traum Wirklichkeit werden lassen.